Zum Inhalt springen
CondutoresProfissionais

← Nachrichten

Recht

Nachtarbeit in Portugal: die 10-Stunden-Regel und was zusätzlich bezahlt wird, in Praxisbeispielen

Eine Minute Arbeit zwischen Mitternacht und 05:00 Uhr genügt, und der Tag ist auf 10 Stunden Arbeitszeit begrenzt. Für die Bezahlung beginnt die Nacht um 20:00 Uhr. Fünf Beispiele mit konkreten Uhrzeiten, was zählt und was nicht, und wie viel die Nachtarbeitszulage im Tarifvertrag wert ist.

CP-Redaktion

Dieser Artikel erklärt die portugiesischen Regeln — das Gesetzesdekret Nr. 84/2026 (Decreto-Lei n.º 84/2026) und den Tarifvertrag (CCTV) für den Güterkraftverkehr in Portugal — und betrifft alle, die für ein portugiesisches Unternehmen fahren.

Im Leben eines Fahrers in Portugal gibt es zwei verschiedene „Nächte“, und sie zu verwechseln ist der häufigste Fehler. Die eine begrenzt die Arbeitsstunden. Die andere wirkt sich auf den Lohn aus. Sie beginnen und enden zu verschiedenen Uhrzeiten.

Wofür Welche Uhrzeiten zählen Was sich ändert
Arbeitszeitgrenze 00:00 bis 05:00 Uhr Höchstens 10 Stunden Arbeit an diesem Tag
Bezahlung (Güterverkehr) 20:00 bis 07:00 Uhr Monatliche Zulage oder 25 % mehr pro Stunde

Die 10-Stunden-Regel

Sie steht in Artikel 22 des Gesetzesdekrets Nr. 84/2026, in Kraft seit dem 12. Juli, das das Gesetzesdekret Nr. 237/2007 (Decreto-Lei n.º 237/2007) ersetzt hat. Fällt die Arbeit ganz oder teilweise in die Zeit zwischen Mitternacht und 05:00 Uhr, darf der Fahrer in diesem 24-Stunden-Zeitraum nicht mehr als 10 Stunden Arbeitszeit leisten.

  • Die 24 Stunden zählen ab Beginn des Arbeitstags, nach der täglichen oder wöchentlichen Ruhezeit. Der Tarifvertrag sagt in Klausel 21 dasselbe.
  • Eine Minute zwischen 00:00 und 05:00 Uhr genügt. Wer um 04:50 Uhr losfährt, hat schon einen Tag mit Nachtarbeit.
  • Auch Überstunden zählen zu den 10 Stunden.

Was zu den 10 Stunden zählt

Es zählt die gesamte Arbeitszeit (Art. 3 Buchst. ff): Fahren, Be- und Entladen, Kontrollen, Tanken, Reinigen, Verwaltungsformalitäten, Zoll und Polizei. Auch das Warten an der Rampe zählt, wenn niemand sagt, wie lange es dauert.

Nicht zählen Pausen, Ruhezeiten und Bereitschaftszeit (Art. 20 und Art. 22 Abs. 2). Bereitschaftszeit ist Wartezeit, deren Dauer der Fahrer vorher kennt, zum Beispiel ein fester Entladetermin. Das Gesetz zählt auch Fähre, Zug und Wartezeiten an der Grenze dazu. Im Mehrfahrerbetrieb ist auch die Zeit neben dem Fahrer oder in der Schlafkoje bei fahrendem Lkw Bereitschaftszeit.

Beispiel 1 — Beginn um 04:00 Uhr: der Tag zählt als Nachtarbeit

Der Fahrer beginnt um 04:00 Uhr. Er arbeitet nur eine Stunde vor 05:00 Uhr, aber das reicht: Der Tag ist auf 10 Stunden Arbeitszeit begrenzt.

Uhrzeit Tätigkeit Arbeit
04:00–04:30 Kontrollen und Ankuppeln 0:30 h
04:30–09:00 Fahren 4:30 h
09:00–09:45 Pause —
09:45–12:00 Fahren 2:15 h
12:00–13:00 Entladen 1:00 h
13:00–13:30 Pause —
13:30–15:15 Fahren 1:45 h
Gesamt 10:00 h

Um 15:15 Uhr erreicht er die 10 Stunden. Die Lenkzeit (8:30 h) liegt noch unter den 9 Stunden der Verordnung (EG) Nr. 561/2006, aber das spielt keine Rolle mehr: An diesem Tag gilt die Grenze von 10 Stunden Arbeitszeit. Verlangt man von ihm noch eine Ladung von einer Stunde, kommt er auf 11:00 h — und 11 Stunden sind schon eine schwere Ordnungswidrigkeit.

Beispiel 2 — Derselbe Dienst, Beginn um 05:00 Uhr

Genau derselbe Tag, eine Stunde später: von 05:00 bis 16:15 Uhr. Jetzt gibt es keine Arbeit zwischen Mitternacht und 05:00 Uhr, deshalb gilt die 10-Stunden-Regel nicht. Weiter gelten die Lenkzeitgrenzen der Verordnung 561/2006, die Pausen und die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 60 Stunden.

Achtung beim Lohn: Für die Bezahlung sind die ersten zwei Stunden (05:00–07:00 Uhr) weiterhin Nachtarbeit, denn im Tarifvertrag geht die Nacht von 20:00 bis 07:00 Uhr. Eine Stunde Unterschied beim Start ändert die Grenze, aber nicht das, was bezahlt wird.

Beispiel 3 — Nachtschicht von 21:00 bis 07:45 Uhr

Uhrzeit Tätigkeit Arbeit
21:00–22:00 Beladen 1:00 h
22:00–02:30 Fahren 4:30 h
02:30–03:15 Pause —
03:15–06:45 Fahren 3:30 h
06:45–07:45 Entladen 1:00 h
Gesamt 10:00 h

Zehn Stunden Arbeit, acht Stunden Lenkzeit: eingehalten. Für die Bezahlung fallen 9:15 h dieser Arbeit in die Zeit zwischen 20:00 und 07:00 Uhr (alles außer den letzten 45 Minuten des Entladens).

Beispiel 4 — Dieselbe Wartezeit, zwei verschiedene Rechnungen

Der Fahrer beginnt um 03:00 Uhr. Mit Fahren, Entladen und Kontrollen kommt er auf 8 Stunden Arbeit. Dazwischen wartet er 3 Stunden beim Kunden.

Was man ihm bei der Ankunft gesagt hat Die Wartezeit ist … Tagessumme
Fall A „Entladen ist um 10:00 Uhr.“ Bereitschaftszeit 8:00 h — eingehalten
Fall B „Bitte warten, wir rufen Sie gleich.“ Arbeitszeit 11:00 h — schwerer Verstoß

Die Wartezeit ist dieselbe. Der Unterschied: ob man vorher weiß, wie lange sie dauert. Die Eingabe am Fahrtenschreiber muss dem entsprechen, was passiert ist: Wer Wartezeit ohne feste Uhrzeit als Bereitschaft einträgt, versteckt Arbeitsstunden.

Beispiel 5 — Neun Stunden Lenkzeit in einer Nacht

Wer an einem Tag mit Nachtarbeit 9 Stunden fährt, hat eine Stunde für alles andere: Kontrollen, Tanken, Be- und Entladen. Die 10 Stunden Lenkzeit, die die Verordnung 561/2006 zweimal pro Woche erlaubt, passen nur dann in einen Tag mit Nachtarbeit, wenn es keine andere Arbeit gibt — nicht einmal den Kontrollgang um den Lkw. In der Praxis passen sie nicht.

Wie viel zusätzlich bezahlt wird

Im Güterverkehr gilt der Tarifvertrag ANTRAM/ANTP–FECTRANS, überarbeitet im Bulletin für Arbeit und Beschäftigung (Boletim do Trabalho e Emprego) Nr. 9/2026. Seit dem 3. August erstreckt ihn die Allgemeinverbindlicherklärung (Portaria de extensão) Nr. 316/2026/1 auf alle Güterkraftverkehrsunternehmen auf dem portugiesischen Festland, ob Verbandsmitglied oder nicht. Ausgenommen sind Fahrer, die Mitglied von SIMM, SNMOT, SIMMPER oder STRUN sind: Sie haben eigene Tarifverträge.

  • Die Nacht für die Bezahlung geht von 20:00 bis 07:00 Uhr (Klausel 25).
  • Iberischer und internationaler Verkehr: verpflichtende Nachtarbeitszulage von mindestens 10 % des Grundlohns, 13-mal im Jahr gezahlt (Klausel 63). Mit dem Mindestgrundlohn für Fahrer schwerer Lkw (1.014,02 €) sind das 101,40 € im Monat. Die Zulage ersetzt die Bezahlung pro Stunde.
  • Nationaler Verkehr: in der Regel dieselbe Zulage von mindestens 10 % (Klausel 62 Abs. 1). Sie ist nur dann nicht geschuldet, wenn der Arbeitsvertrag oder eine spätere schriftliche Vereinbarung festhält, dass die Arbeit überwiegend tagsüber stattfindet. Dann wird jede Stunde zwischen 20:00 und 07:00 Uhr mit 25 % mehr bezahlt (Klauseln 48 und 62 Abs. 2).
  • Alte Verträge, die vor dieser Regel unterschrieben wurden, behalten ihre bisherige Bezahlung, bis sich die Arbeitsweise ändert (Klausel 62 Abs. 3).

Was die Nachtstunde bei 25 % Zuschlag wert ist. Der Stundenlohn wird so berechnet (Klausel 49): (Grundlohn + Lohnergänzung + Dienstalterszulagen) × 12 ÷ (40 × 52). Beispiel: Fahrer im nationalen Verkehr auf einem Lkw von 7,5 bis 44 t, mit dem Mindestgrundlohn (1.014,02 €), 20,28 € Lohnergänzung und ohne Dienstalterszulagen. Die Stunde ist 5,97 € wert. Jede Nachtstunde bringt 1,49 € mehr.

  • Im Beispiel 2 bringen die zwei Stunden zwischen 05:00 und 07:00 Uhr 2,98 € mehr.
  • Im Beispiel 3 bringen die 9:15 h Nachtarbeit 13,80 € mehr.

Im Personenverkehr und in anderen Branchen gilt der jeweils eigene Tarifvertrag. Ohne Tarifvertrag zählt das portugiesische Arbeitsgesetzbuch (Código do Trabalho) die Zeit von 22:00 bis 07:00 Uhr als Nacht und sieht 25 % mehr vor (Art. 223 und 266). Die 10-Stunden-Regel gilt gleich für alle Fahrer, im Güter- wie im Personenverkehr.

Bußgelder

Mehr als 10 Stunden an einem Tag mit Nachtarbeit sind eine Ordnungswidrigkeit (Art. 22 Abs. 4):

Arbeit am Tag mit Nachtarbeit Schwere
Mehr als 10 h und weniger als 11 h Leicht
11 h bis unter 13 h Schwer
13 h oder mehr Sehr schwer

Verantwortlich ist das Unternehmen (Art. 36), mit Bußgeldern nach dem Arbeitsgesetzbuch, die mit dem Umsatz steigen. Die Arbeitszeit kontrolliert die ACT, die portugiesische Arbeitsaufsicht. Das Gesetz erlaubt einem Tarifvertrag, aus technischen oder organisatorischen Gründen von den 10 Stunden abzuweichen (Art. 22 Abs. 3), aber der Tarifvertrag im Güterverkehr tut das nicht: Er wiederholt die Grenze von 10 Stunden.

Bevor Sie nachts losfahren

  • Arbeiten Sie zwischen 00:00 und 05:00 Uhr? Dann hat der Tag 10 Stunden Arbeitszeit, nicht mehr.
  • Zählen Sie alles zusammen, was Arbeit ist, nicht nur das Fahren.
  • Fragen Sie nach der Entladezeit. Warten mit fester Uhrzeit ist Bereitschaftszeit; Warten ohne Uhrzeit ist Arbeitszeit.
  • Prüfen Sie auf der Lohnabrechnung, ob Sie die Nachtarbeitszulage oder die 25 % pro Stunde bekommen.

Der Lenkzeitrechner zeigt bereits, ob der Tag als Nachtarbeit zählt, und warnt, wenn Weiterarbeiten nach Mitternacht ihn dazu machen würde. Zum Unterschied zwischen Arbeitszeit und Lenkzeit siehe auch Arbeitszeit ist nicht Lenkzeit.

Um einen konkreten Tag durchzurechnen, nutzen Sie den Nachtarbeitsrechner.

Teilen

Quellen

NachtarbeitArbeitszeitGesetzesdekret 84/2026CCTVNachtarbeitszulage

Mehr zu diesem Thema

Recht

Spanien lässt Bußgelder wegen technischer DeCA-Ausfälle zwischen dem 5. und 19. Oktober fallen

Das spanische Verkehrsministerium räumt IT-Ausfälle im Repository des DeCA und des elektronischen Frachtbriefs (HeRU) ein und weist die autonomen Regionen an, Bußgelder dieses Zeitraums einzustellen, die allein wegen technischer Unmöglichkeit des Herunterladens oder Einsehens des Dokuments verhängt wurden. Wer ein Bußgeld erhalten hat, sollte vor der Zahlung prüfen, ob der eigene Fall darunter fällt.

CP-Redaktion

Recht

IRU warnt vor 5-Milliarden-Kürzung bei EU-Fonds für sichere Lkw-Parkplätze und Ladestationen

Die irische Ratspräsidentschaft schlägt im Finanzrahmen 2028-2034 ein Verkehrsbudget des Connecting Europe Facility (CEF) vor, das rund 5 Milliarden Euro unter dem Kommissionsvorschlag liegt. Die IRU warnt, die Mittel reichten schon jetzt nicht für die aktuelle Nachfrage — darunter Grenzkorridore und sichere Parkplätze, die auch Fahrer von der Iberischen Halbinsel nutzen.

CP-Redaktion